Chris Milk, der Regisseur von The Wilderness Downtown, hat eben sein neuestes Werk vorgestellt: ein kollektiv gestaltetes (oder eben crowdsourced) Musikvideo für Johnny Cash.
Mit dem Zeichnungstool auf der Website zum Johnny Cash Project können Fans jeweils ein Frame nachzeichnen und so ihren Teil zum sich ewig verändernden Video zum letzten Studio-Song von Johnny Cash – Ain’t No Grave – beitragen.
Das Resultat:
Eine wunderbare und erfrischende Idee, die Crowdsourcing neu interpretiert. Eternal Moonwalk hat eindrücklich bewiesen, dass sich das Instrument für musikalisch-kulturelle Zwecke mit grossem Erfolg einsetzen lässt. In der Werbung tut man sich ja bisweilen noch etwas schwer damit.
Der neuste Schrei für Social Media Addicts, die gerne jeden Schritt mit Freunden und Followern teilen: Fartsquare. Damit kriegt der Furz endlich die Wertschätzung und Differenzierung, die er verdient. Denn Furz ist nicht gleich Furz: Lautstärke, Geruch und Konsistenz spielen eine wesentliche Rolle beim Wettlauf um den Titel des grössten Kacks…
Das Jahr 2008 wurde in Branchenmagazinen und -blogs vielfach als das Jahr von Facebook bezeichnet, während 2009 der Microblogging Dienst Twitter in aller Munde war und mit 3-stelligen Zuwachsraten auftrumpfen konnte. Und 2010?
Zu Beginn des Jahres wurde viel gemutmasst. Wie bei Spekulationen üblich haben sich einige zumindest teilweise bewahrheitet, andere lagen komplett daneben. Ein so deutlicher Sieger-Trend wie in den vergangen Jahren zeichnet sich keiner ab. Mag sein dass das Jahr rückblickend als das Jahr der Tablets in die Geschichte eingehen wird.
Die englische Digital-Agentur dare hat 2010 nun kurzerhand zum Jahr der Infografiken ernannt. Nicht ganz uneigennützig, denn mit dem folgenden Video sollen die vakanten Praktikumsplätze besetzt werden.
Ein interessantes und unterhaltsames Video gleichermassen und durchaus am Puls der Zeit. Infografiken sind im vergangen Jahr tatsächlich zu Hunderten entstanden, einige mehr, andere weniger ernst zu nehmen. So gibt es welche über die Blogosphäre, über Facebook und Twitter und natürlich das iPhone. Weiter Vertreter: Star Trek, Brüste und eine Infografik über Infografiken. Die Liste liesse sich beliebig erweitern.
Wie sieht die Zukunft der Musikvideos aus? Welche Auswirkungen bringt die veränderte Mediennutzung mit sich? Wird sich die Branche die neuen Möglichkeiten der Interaktion zu Nutze machen?
Die digitale Revolution hat ja nicht erst gestern begonnen, die Musikindustrie den Wandel lange Zeit verschlafen. Dies zeigt sich auch daran, dass Konsum und Verbreitung von Musikvideos sich radikal verändert haben: Youtube hat MTV den Rang abgelaufen. Die monatlichen Youtube Statistiken der am meisten betrachteten Videos werden genauso regelmässig von Musikvideos dominiert wie die Zahl der Video-Shares, also die über Social Media Kanäle verlinkten Clips. Die Gründe dafür sind vielseitig, teilweise auch hausgemacht: MTV hat das M in seinem Namen und das Medium Internet schlicht zu lange vernachlässigt.
Nun häufen sich die Anzeichen, dass einige Exponenten erwacht sind und sich die neuen Möglichkeiten zu Nutze machen – auch in Bezug auf Videoclips: das Format erfindet sich einmal mehr neu, weg vom passiven, einseitigen Video; hin zum interaktiven Erlebnis. In den letzten Monaten sind solche Musikvideos mit steigender Frequenz aufgetaucht.
Das neuste Beispiel liefert der Song “We Used To Wait” der Band Arcade Fire. Mit dem Projekt The Wilderness Downtown hat dieser Song einen Videoclip erster Güte spendiert bekommen. Das interaktive Erlebnis – komplett ohne Einsatz von Flash realisiert – ist im Web aktuell eines der ganz grossen Themen. Google freut’s, denn in seiner ganzen Tiefe lässt sich das Video nur mit Google Chrome erleben. Am besten gleich selbst rein zappen:
Das Video besteht aus mehreren Teilen, die allesamt die Möglichkeiten von HTML 5 aufzeigen: die Wiedergabe von Videos ohne Einsatz von Flash, Realtime Rendering von 3D Elementen (die Vögel reagieren auf Mauszeiger und Musik), choreographierte Fenster usw. Im Detail auf der Projekt-Seite von Chrome Experiments nachzulesen.
Dass Musikvideos sich neue technologische Entwicklungen zu nutze machen ist nicht neu. In den letzten Monaten haben es immer wieder Bands geschafft, mit entsprechenden Produktionen für Aufsehen zu sorgen. Die wichtigsten Stilrichtungen seien in der Folge anhand von Beispielen aufgeführt.
Robyn – Killing me
Dieses Video ist eines der ersten, das Social Media einbezieht. Während der erste Teil des Clips nach einem fixen Muster abläuft, wird der zweite Teil von den Fans der Band belebt. Tweets mit dem Hashtag #KillingMe werden im Video direkt verarbeitet, womit die Twitter User dieser Welt das Video konstant verändern.
Labuat
Als eines der ersten interaktiven Musikvideos überhaupt hat dieses Projekt aus Spanien das Potential solcher Produktionen eindrücklich bewiesen. Im März 2009 vorgestellt, hat es sich in kürzester Zeit um den gesamten Globus verbreitet. Im Januar 2010 wurde es mit dem wohl wichtigsten Award überhaupt ausgezeichnet, den eine Website erhalten kann: dem People’s Choice Award von FWA.
Dieses Konzept wurde denn auch von mehreren Bands für ihre eigenen Musikvideos übernommen. Zwei Beispiele:
Placebo mit The Never Ending Why
Broken Bells mit October
John Mayer – Heartbreak Warfare
Auf den Zug der Augmented Reality ist John Mayer aufgesprungen. In seinem Video zum Song “Heartbreak Warfare” lässt sich die Umgebung mittels Webcam und einem ausgedruckten Icon drehen und wenden. Leider hat Sony dafür gesorgt, dass die offizielle Version des Videos zumindest für Schweizer YouTube Nutzer gesperrt ist. Deswegen nur ein kurzer Ausschnitt ohne Sound. Das Video kann auf John Mayer’s Website aber noch immer betrachtet, bzw. selbst gestaltet werden.
Bob Dylan
Das meines Wissens erste interaktive Musikvideo stammt von Bob Dylan aus der Zeit, in der Video Customizing total hip war. Es handelt sich dabei nicht um den Clip für einen neuen Song, sondern um einen alten Klassiker, der für Promotionszwecke einen neuen Anstrich erhielt: Besucher können ihren Freunden eine persönliche Video-Nachricht zukommen lassen.
Meines Wissens sind damit sind die wichtigsten Prototypen von interaktiven Musikvideos erwähnt. Es bleiben noch die Youtube Video-Weichen (wie in diesem Quiz-Video demonstriert) und das Musik-Video in Excel-Format von AC/DC zu erwähnen. Letzteres hat zwar für Furore gesorgt, mit Interaktion aber nicht viel gemein.
Werden sich solche Produktionen durchsetzen? Meiner Meinung nach ja. Werden sie die klassischen Musikvideos ablösen? Sicherlich nicht. Dafür sprechen 2 Faktoren:
Musik wie auch Clips werden wie vor gerne passiv konsumiert, z.B. als Nebenbeschäftigung. Das hat auch MTV bemerkt und das Programm entsprechend angepasst.
Die Musikindustrie steckt in der Krise, die finanziellen Mittel sind knapp, eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Daher wird man sich nicht für jedes Album eine oder gar mehrere solcher Produktionen leisten können und wollen.
Für bekannte Bands dürfte diese Art von Clips aber nach und nach an Wichtigkeit gewinnen und früher oder später zum Standard Repertoire bei der Veröffentlichung eines Albums werden.
Was denkt ihr darüber? Und kennt ihr Beispiele, die in dieser Aufzählung fehlen?
Welcher Junge hat nicht mal davon geträumt, eines Tages den Weltraum zu erobern? Tom Atchison machte diesen Traum für 8 High School Studenten war. Die Herausforderung: innerhalb von nur 30 Tagen eine Rakete bauen, die theoretisch die Stratosphäre erreichen kann.
Nun benötigt man für ein solches Projekt neben Knowhow auch eine Menge Material. Sony trat als Hauptsponsor auf und lieferte die Hardware: handelsübliche Laptops. Diese verfügen über eine grössere Rechenleistung als eine Apollo Rakete, wobei man es mit letzteren immerhin bis zum Mond geschafft hat.
Und so startete die Mission Anfang März.
Wetterbedingt hat das Team das Startfenster im Frühjahr verpasst und musste den Start um mehrere Monate verschieben. Ende Juli war es dann endlich soweit:
Die Idee passt zu Sony wie zu kaum einem zweiten Brand: “make. believe.” Exakter könnte man das Motto des Projekts kaum beschreiben. Auch die Zielgruppe scheint zu stimmen: die doch eher hochpreisigen Sony VAIO sind im wissenschaftlichen Umfeld sicherlich am richtigen Ort.
Zudem handelt es sich um ein hübsches Beispiel, wie Wissenschaft und Wirtschaft zusammen Projekte realisieren können, die für beide Seiten gewinnbringend sind.
Braquo ist eine neue französische Krimi-Serie von Canal+, die mit spektakulären Werbemitteln beworben wird. Obwohl das Prinzip von Wario Shake It, Honda Insight und einigen weiteren Beispielen bekannt ist, vermag es doch immer wieder zu entzücken.
Auf MSN scheinen die Restriktionen für die Schaltung etwas grösser zu sein. Daher dürften nur knapp 1% der Besucher den Banner auch tatsächlich so sehen, leider.
Die Schaltung eines solchen Werbemittels verschlingt natürlich viel Geld, bringt aber auch eine überdurchschnittliche Ressonanz, wie die Erfahrung zeigt.
Zwei Praktikanten bei Crispin, Porter + Bogusky stellen ihr Leben in der Agentur in sehr authentischer Art und Weise vor. Arbeitsbeginn ist so um 10 Uhr, am Nachmittag liegt man am See und am Abend warten die Girls zu Hauf. Ob das Agenturleben jemals so war kann ich nicht beurteilen, auch wenn man ab und zu noch von den goldenen Zeiten der Werbung hört.
Der Erfahrungsbericht in Form eines Musikvideos ist aber sehr professionell umgesetzt und als kurze Erheiterung für zwischendurch sehr empfehlenswert.
…and I’m finally doing something that I think matters.
Filme über die Werbeindustrie scheinen Saison zu haben. Ein gewisser Zusammenhang mit der (zu Ende gehenden?) Wirtschaftskrise ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Marketing-Budgets werden ja gerne als erstes gestrichen, wenn gespart werden muss.
Nach Art&Copy wurde Ende Juli ein weiterer Film vorgestellt: Lemonade. Hier werden ehemalige ADs, CDs, Berater usw porträtiert, die ihren Job verloren haben und dadurch eine neue Berufung gefunden haben.
Daher auch der wunderschöne Satz ganz am Anfang dieses Posts. Irgendwann hat wohl jeder mal genug davon, Luftschlösser zu planen und realisieren. Ich wage mal zu behaupten, dass der Herr vielen Werbern aus der Seele spricht.
Mit dem Unterschied, dass er ein einschneidendes Erlebnis hatte, das ihm zumindest geholfen hat, von der “Sucht” loszukommen. Ich für meinen Teil werde wohl noch eine Weile Luftschlösser entwerfen.
Eine Unterform der Internet Abhängigkeit ist die Social Media Sucht, für die sich bereits erste Selbsthilfegruppen bilden. Die S.M.A.A. hilft betroffenen Personen, den Ausstieg aus Facebook, Twitter usw zu schaffen.
Die 5 goldenen Regeln für den Ausstieg:
1. Admit you have a problem but don’t tweet about it.
2. Accept that you don’t need upvotes to feel validated.
3. Understand the risks of poking strangers.
4. Repeat after me: “Twitter and alcohol don’t mix”.
5. Don’t go cold turkey! Just delete one friend a day.
Soweit so gut, denn die ganze Kampagne dient als Aufhänger für eine Kampagne. Worum es tatsächlich geht möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Das Viral-Movie wie auch die Site sind zu überzeugend gemacht, um den Spass vorneweg zu nehmen.
Es gibt offenbar noch immer Unternehmen, die die Macht der Konsumenten im Social Web massiv unterschätzen. Der neuste Fauxpas geht auf das Konto der United Airlines. Im Frühling 2008 reiste die relativ unbekannte US Band Sons of Maxwell mit der genannten Airline nach Nebraska an einen Gig. Durch das Fenster des Flugzeuges mussten sie mit ansehen, wie ihr Equipment mit wenig Sorgfalt verladen wurde. Das Resultat: eine gebrochene Gitarre. Nach einem monatelangen Spiessrutenlauf durch verschiedene United Abteilungen wurde der Band das finale Verdikt mitgeteilt: United übernimmt keine Haftung, die Band hat für den Schaden selbst aufzukommen. Der Sänger der Band Dave Caroll hat daraufhin angekündigt, drei Songs zum Vorfall zu schreiben und im Web zu veröffentlichen, was die Airline offenbar kalt liess.
Wie gross dieser Fehler war zeichnet sich langsam ab: Das erste Video ist seit ein paar Tagen auf YouTube zu sehen und hat in knapp 5 Tagen sensationelle 2 Millionen Views generiert.
In der Zwischenzeit hat sich United offenbar bei Dave Caroll gemeldet und scheint gewillt, den Schaden zu ersetzen. Dafür dürfte es jetzt aber zu spät sein. Erstens ist der Image Schaden bereits heute imens. Und zweitens: welcher Sänger verzichtet schon freiwillig auf Millionen Views und eine riesige Publicity, wenn er als Ersatz dafür eine neue Gitarre angeboten erhält?