Chris Milk, der Regisseur von The Wilderness Downtown, hat eben sein neuestes Werk vorgestellt: ein kollektiv gestaltetes (oder eben crowdsourced) Musikvideo für Johnny Cash.
Mit dem Zeichnungstool auf der Website zum Johnny Cash Project können Fans jeweils ein Frame nachzeichnen und so ihren Teil zum sich ewig verändernden Video zum letzten Studio-Song von Johnny Cash – Ain’t No Grave – beitragen.
Das Resultat:
Eine wunderbare und erfrischende Idee, die Crowdsourcing neu interpretiert. Eternal Moonwalk hat eindrücklich bewiesen, dass sich das Instrument für musikalisch-kulturelle Zwecke mit grossem Erfolg einsetzen lässt. In der Werbung tut man sich ja bisweilen noch etwas schwer damit.
Wie sieht die Zukunft der Musikvideos aus? Welche Auswirkungen bringt die veränderte Mediennutzung mit sich? Wird sich die Branche die neuen Möglichkeiten der Interaktion zu Nutze machen?
Die digitale Revolution hat ja nicht erst gestern begonnen, die Musikindustrie den Wandel lange Zeit verschlafen. Dies zeigt sich auch daran, dass Konsum und Verbreitung von Musikvideos sich radikal verändert haben: Youtube hat MTV den Rang abgelaufen. Die monatlichen Youtube Statistiken der am meisten betrachteten Videos werden genauso regelmässig von Musikvideos dominiert wie die Zahl der Video-Shares, also die über Social Media Kanäle verlinkten Clips. Die Gründe dafür sind vielseitig, teilweise auch hausgemacht: MTV hat das M in seinem Namen und das Medium Internet schlicht zu lange vernachlässigt.
Nun häufen sich die Anzeichen, dass einige Exponenten erwacht sind und sich die neuen Möglichkeiten zu Nutze machen – auch in Bezug auf Videoclips: das Format erfindet sich einmal mehr neu, weg vom passiven, einseitigen Video; hin zum interaktiven Erlebnis. In den letzten Monaten sind solche Musikvideos mit steigender Frequenz aufgetaucht.
Das neuste Beispiel liefert der Song “We Used To Wait” der Band Arcade Fire. Mit dem Projekt The Wilderness Downtown hat dieser Song einen Videoclip erster Güte spendiert bekommen. Das interaktive Erlebnis – komplett ohne Einsatz von Flash realisiert – ist im Web aktuell eines der ganz grossen Themen. Google freut’s, denn in seiner ganzen Tiefe lässt sich das Video nur mit Google Chrome erleben. Am besten gleich selbst rein zappen:
Das Video besteht aus mehreren Teilen, die allesamt die Möglichkeiten von HTML 5 aufzeigen: die Wiedergabe von Videos ohne Einsatz von Flash, Realtime Rendering von 3D Elementen (die Vögel reagieren auf Mauszeiger und Musik), choreographierte Fenster usw. Im Detail auf der Projekt-Seite von Chrome Experiments nachzulesen.
Dass Musikvideos sich neue technologische Entwicklungen zu nutze machen ist nicht neu. In den letzten Monaten haben es immer wieder Bands geschafft, mit entsprechenden Produktionen für Aufsehen zu sorgen. Die wichtigsten Stilrichtungen seien in der Folge anhand von Beispielen aufgeführt.
Robyn – Killing me
Dieses Video ist eines der ersten, das Social Media einbezieht. Während der erste Teil des Clips nach einem fixen Muster abläuft, wird der zweite Teil von den Fans der Band belebt. Tweets mit dem Hashtag #KillingMe werden im Video direkt verarbeitet, womit die Twitter User dieser Welt das Video konstant verändern.
Labuat
Als eines der ersten interaktiven Musikvideos überhaupt hat dieses Projekt aus Spanien das Potential solcher Produktionen eindrücklich bewiesen. Im März 2009 vorgestellt, hat es sich in kürzester Zeit um den gesamten Globus verbreitet. Im Januar 2010 wurde es mit dem wohl wichtigsten Award überhaupt ausgezeichnet, den eine Website erhalten kann: dem People’s Choice Award von FWA.
Dieses Konzept wurde denn auch von mehreren Bands für ihre eigenen Musikvideos übernommen. Zwei Beispiele:
Placebo mit The Never Ending Why
Broken Bells mit October
John Mayer – Heartbreak Warfare
Auf den Zug der Augmented Reality ist John Mayer aufgesprungen. In seinem Video zum Song “Heartbreak Warfare” lässt sich die Umgebung mittels Webcam und einem ausgedruckten Icon drehen und wenden. Leider hat Sony dafür gesorgt, dass die offizielle Version des Videos zumindest für Schweizer YouTube Nutzer gesperrt ist. Deswegen nur ein kurzer Ausschnitt ohne Sound. Das Video kann auf John Mayer’s Website aber noch immer betrachtet, bzw. selbst gestaltet werden.
Bob Dylan
Das meines Wissens erste interaktive Musikvideo stammt von Bob Dylan aus der Zeit, in der Video Customizing total hip war. Es handelt sich dabei nicht um den Clip für einen neuen Song, sondern um einen alten Klassiker, der für Promotionszwecke einen neuen Anstrich erhielt: Besucher können ihren Freunden eine persönliche Video-Nachricht zukommen lassen.
Meines Wissens sind damit sind die wichtigsten Prototypen von interaktiven Musikvideos erwähnt. Es bleiben noch die Youtube Video-Weichen (wie in diesem Quiz-Video demonstriert) und das Musik-Video in Excel-Format von AC/DC zu erwähnen. Letzteres hat zwar für Furore gesorgt, mit Interaktion aber nicht viel gemein.
Werden sich solche Produktionen durchsetzen? Meiner Meinung nach ja. Werden sie die klassischen Musikvideos ablösen? Sicherlich nicht. Dafür sprechen 2 Faktoren:
Musik wie auch Clips werden wie vor gerne passiv konsumiert, z.B. als Nebenbeschäftigung. Das hat auch MTV bemerkt und das Programm entsprechend angepasst.
Die Musikindustrie steckt in der Krise, die finanziellen Mittel sind knapp, eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Daher wird man sich nicht für jedes Album eine oder gar mehrere solcher Produktionen leisten können und wollen.
Für bekannte Bands dürfte diese Art von Clips aber nach und nach an Wichtigkeit gewinnen und früher oder später zum Standard Repertoire bei der Veröffentlichung eines Albums werden.
Was denkt ihr darüber? Und kennt ihr Beispiele, die in dieser Aufzählung fehlen?
Es war eine Frage der Zeit, bis Chatroulette seine erste Begegnung mit der Werbung erfahren durfte. Als erster Brand hat French Connection den Mut aufgebracht. Da man aktuell den männlichen Teil der Käuferschaft zu vergrössern versucht bietet sich die Plattform ja auch an, denn Männer sind auf Chatplattformen bekanntlich in grosser Überzahl.
Die Aufgabe scheint auf den ersten Blick einfach: “Ein Flirt mit einer Dame auf Chatroulette”. Als Preis dafür winkt ein 250 £ Gutschein. Zitat aus der Ausschreibung: “Sounds simple, right? Wrong. It’s a challenge of fiendish difficulty. In our experience – and we’re pretty handsome – it can take an hour plus to find an actual, real life woman.”
Eine Unterform der Internet Abhängigkeit ist die Social Media Sucht, für die sich bereits erste Selbsthilfegruppen bilden. Die S.M.A.A. hilft betroffenen Personen, den Ausstieg aus Facebook, Twitter usw zu schaffen.
Die 5 goldenen Regeln für den Ausstieg:
1. Admit you have a problem but don’t tweet about it.
2. Accept that you don’t need upvotes to feel validated.
3. Understand the risks of poking strangers.
4. Repeat after me: “Twitter and alcohol don’t mix”.
5. Don’t go cold turkey! Just delete one friend a day.
Soweit so gut, denn die ganze Kampagne dient als Aufhänger für eine Kampagne. Worum es tatsächlich geht möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Das Viral-Movie wie auch die Site sind zu überzeugend gemacht, um den Spass vorneweg zu nehmen.
Gringo zeigt mit einer herrlich ironischen Website auf, wie einfach Online Marketing sein kann: Media Budget eingeben und fertig ist die Kampagne. Je mehr Geld man zur Verfügung hat, desto mehr Buzz-Words bekommt man. Klingt logisch, oder? Wen interessiert es in wirtschaftlich hervorragenden Zeiten wie heute schon, ob das Geld sinnvoll angelegt ist? Hauptsache man hat die richtigen Argumente im Ärmel, um die intelligenten Wörter während der Präsentation überzeugend zu verkaufen. Marketing war ja schon immer eine ungenaue Wissenschaft und irgend eine der vorgeschlagenen Massnahmen wird dann sicher den gewünschten Erfolg erzielen.
Damit genug der Ironie und zurück zur bitteren Realität. Online Marketing unterscheidet sich nicht grundlegend von klassischem Marketing. Für die allermeisten Marken eignet sich Twitter als Kommunikationskanal genauso wenig wie Facebook. Die grosse Ausnahme: Eine Marke besitzt eine so grosse Strahlkraft, dass die Zielgruppe sich aktiv darüber informieren möchte. Oder man findet ein Business-Modell, dass es für Kunden interessant macht, einem Twitter-Feed zu folgen. Wie beispielsweise der Dell Outlet. Weitere digitale Trends gibts aktuell im Frog Blog. Zusammen mit einem herrlichen Kommentar zu 15jährigen Analysten-Praktikanten. ;-)
Zum 40jährigen Jubiläum der ersten Schritte auf dem Mond lässt das John F. Kennedy Presidental Library and Museum die Apollo 11 Mission virtuell auferstehen. Auf der Microsite können die einzelnen Phasen live miterlebt werden. Bedeutet, zur Zeit steht die Rakete noch auf der Start-Plattform. Am 16. Juli geht es pünktlich um 15:32 (MEZ) los mit dem Start. Der Countdown läuft auf der Website bereits.
Zu sehen gibt es noch nicht sehr viel, aber ich bin sehr gespannt, wie das Abenteuer verlaufen wird. Wer zu der Zeit aus irgendeinem Grund keine Möglichkeit hat, die Microsite zu besuchen, kann die Events übrigens auch live auf Twitter verfolgen und zwar aus 3 verschiedenen Blickwinkeln: dem Raumschiff, der Kommandozentrale in Houston und der Mondfähre Eagle.
Auf YouTube finden sich zum Stichwort «Moonwalk» knapp 40′000 Videos, viele davon von Usern erstellt. Während es normalerweise eher schwierig ist, eine Zielgruppe zur Erstellung von Videos zu animieren, ist der Moonwalk aus verständlichen Gründen ein Selbstläufer. Group94 hat sich dies zu nutze gemacht und für die belgische Radiostation Studio Brussel den Eternal Moonwalk kreiert, bei dem tausende von Videos zusammengehängt werden und somit einen endlosen Moonwalk ergeben.
Ein wunderschönes Beispiel, wieviel kreatives Potential in einer Fan-Community lauern kann. Die Breite an Beiträgen ist unendlich, von Kind zum Opa, vom Hund zum Pferd, vom Comic zum Lego. Kreativ umgesetzt ergibt sich daraus ein wunderschönes Projekt, bei dem jeder mittun kann – ausnahmsweise klappt das auch.
Eine Bemerkung am Rande: Zum YouTube Phänomen Numa Numa finden sich total 100′000 Videos. Ich bin gespannt, ob und wie lange es dauert, bis MJ’s Moonwalk diese Zahl übertrifft.
Crispin Porter + Bogusky bekommt endlich eine Website, die der Agentur würdig ist. Nach dem digitalen Siegeszug der Agentur in Cannes war es allerhöchste Zeit dafür. Die neue Website befindet sich aktuell im Beta-Stadium und kann von jederman getestet werden.
Der grosse Beta-Test Hype ist zwar etwas vorbei, unter den gegebenen Umständen ist dieser Zug allerdings verständlich. Für die «beinahe Interactive Agency of the Year» ist die aktuelle Website doch eher peinlich.
Im Zentrum stehen denn auch die Besucher der Site, die vieles mitgestalten können. Twitter Feeds, Blog Posts, Videos usw. werden offenbar dynamisch geladen. Die Agentur selbst behält nur noch einen kleinen Teil unter eigener Kontrolle.
Dieses Projekt bringt meine Faszination für New York auf den Punkt. Da bleibt mir nichts anderes übrig als da zu sitzen und zu geniessen. Für alle Fans von Big Apple ein absolutes Muss: Die Virtual Tour of New York.
Umgesetzt wurde das kleine Wunder von Pixelcase, die sich damit die heutige The FWA Site of the Day geholt haben. Danke Dani für den Tipp.
d’strict hat für Samsung und Armani ein sehr beeindruckenden Online Erlebnis geschaffen: Samsung Emporio Armani Night Effect. Die Video Website ist aufwendig produziert. Der Trailer dauert ungewöhnlich lange, erinnert aber in keiner Weise an ein Intro. Im mittleren Teil kann man beschränkt aktiv werden, indem man den Sichtwinkel zum kometenhaften Lichtkegel bestimmt. Schlussendlich wird mit pompös wirkenden Animationen der Höhepunkt eingeläutet.
Samsung und Armani stellen damit ihr neues Mobile vor. Imponierend ist sicherlich die Professionalität und der grosse Aufwand für die Lancierung. Parallelen mit einem Hollywood Trailer sind klar erkennbar, was für ein technisches Gadget doch eher aussergewöhnlich ist. Zudem ist es eine der ganz wenigen Online Film Inszenierungen ohne menschliche Hauptdarstellerin*, die mich wirklich beeindruckt.